Doch was hat Online-PR mit unserem Thema, also der Organisation des Messestandes der TU Ilmenau auf der Kinder-Kult-Messe 2012, zu tun?
Die Exzellenztheorie nach Grunig und Hunt kennt die Antwort: James E. Grunig und Todd Hunt unterscheiden in ihrem Werk Managing public relations vier Modelle der Public Relations. Diese betrachten PR von der organisationstheoretischen Sichtweise aus. Namentlich handelt es sich hierbei um das Publicity-Modell, das Modell der Informationstätigkeit, das Modell der asymmetrischen Kommunikation sowie das Modell der symmetrischen Kommunikation.
„Dieser Ansatz sollte einerseits die historische Entwicklung der Öffentlichkeitsarbeit in den USA beschreiben und zum anderen als Konzept verstanden werden, das die charakteristischen Ausprägungen moderner Public Relations idealtypisch erfasst.“ (Grunig – zit. n. Lies 2008, S. 446)Exzellente PR wird nach Ansicht der Autoren maßgeblich durch den gezielten Einsatz des zweiseitig symmetrischen sowie zweiseitig asymmetrischen Modells erreicht. Die einseitigen Modelle, also das Publicity-Modell und Modell der Informationstätigkeit, spielen im gesamten Kommunikationsmix zwar auch eine Rolle, sind für eine erfolgreiche PR aber bei weitem nicht so bedeutend wie die zweiseitigen Modelle. So hat das Modell der asymmetrischen Kommunikation den Zweck, auf wissenschaftlicher Basis zu überzeugen (vgl. Ries 2010, S. 57). Diese Überzeugungsarbeit geschieht nur in eine Richtung verändernd. Zwar gibt es beiderseitige Feedbackprozesse, jedoch werden diese lediglich zum Selbstzweck des Unternehmens genutzt. Das Unternehmen holt also zwar Feedback ein, bezweckt damit allerdings nur den Ausbau der eigenen Kommunikationsstrategie. Kritik wird also dazu verwendet, die Teilöffentlichkeiten weiter im Sinne des PR-betreibenden Unternehmens zu beeinflussen.
Eine übergeordnete Grundlage für PR, dem der asymmetrische Ansatz untergeordnet sei, stellt laut Grunig (1992, S. 231ff) jedoch das zweiseitige symmetrische Modell dar. In wechselseitigen Prozessen integrieren kommunikationstreibende Unternehmen oder Gruppen das Feedback ihrer Umwelt in das eigene Handeln. Unternehmen und Zielgruppen passen sich also einander an und beeinflussen sich mithilfe von Verhandlungs- und Konfliktlösungsstrategien gegenseitig in ihren Verhaltensweisen und Einstellungen (vgl. Ries 2010, S. 58). Exzellente PR darf allerdings nicht so verstanden werden, dass der ausschließliche Einsatz eines einzigen Modells zum Erfolg führt. Vielmehr macht der situationsbezogene und ausgewogene Einsatz des gesamten Kommunikationsmix‘ den Unterschied. Die zweiseitigen Modelle werden dabei fokussiert eingesetzt und integrieren Publicity und Informationstätigkeit als nützliche Werkzeuge der Öffentlichkeitsarbeit. Die symmetrische PR sollte dabei die klare Vorrangstellung genießen, jedoch bei jeder sich bietenden Gelegenheit zugunsten der asymmetrischen PR in den Hintergrund treten, um die Position des Unternehmens im Beziehungsgeflecht zwischen PR-Betreiber und Zielgruppe zu verbessern.
Wer sich etwas ausführlicher mit diesem durchaus interessanten Ansatz beschäftigen möchte, dem sei angeraten, Denny's Blog zu besuchen. Er hat in diesem Artikel die beschriebenen vier Modelle nach Grunig und Hunt auf die interne Kommunikation im Projektmanagement umgemünzt.
In diesem Sinne.
Beste Grüße,
Julian
Quellen:
Grunig, J. (1992): Excellence in public relations and communication maganement. Hillsdale, NJ. Erlbaum. Kielholz, A. (2008): Online‐Kommunikation. Die Psychologie der neuen Medien für die Berufspraxis. Heidelberg. Springer Medien Verlag.
Lies, J. (2008): Public Relations. Ein Handbuch. Konstanz. UVK Verlagsgesellschaft mbH.
Ries, C. (2010): Public Relations und Mitarbeiterkommunikation von Wachstumsunternehmen. Untersuchung der Kommunikationskonzepte stark wachsender Unternehmen im deutschsprachigen Raum. Hamburg. Diplomica Verlag GmbH.
Ruisinger, D. (2007): Online Relations. Leitfaden für moderne PR im Netz. Stuttgart. Schäffer-Poeschel Verlag.
Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen